Review: Madalo Indajani – Tiil Blau

Madalo ist eine Firma, die sich auf den Vertrieb handgewebter Tragetücher aus Mexiko spezialisiert hat. Diese Firma hat sich vor kurzem erst gegründet, ist jedoch mittlerweile schon eine bekannte Größe in der Welt der Tragetücher. Zunächst wurden vor allem Tücher der Firma Indajani nach Deutschland importiert, zu denen auch der Tester gehörte. Mittlerweile webt Madalo jedoch auch eigene Tücher und seit dem Contigo wird dazu auch ein eigenes spezielles Garn verwendet. Dieses ist von einem Hersteller, der sein Garn vor Ort produziert und färbt. Dabei gilt der Öko TeX 100 Standard (mexikanisch), dieser muss jedoch noch in Deutschland anerkannt werden.

Ziel von Madalo ist, nach eigenen Angaben, faire handgewebte Babytragetücher zu vertreiben, fair insofern, dass die Weber in Mexiko einen angemessenen Lohn für ihre Arbeit erhalten und das Weber-Handwerk, eine jahrhundertealter Tradition, weiterhin pflegen können. Dabei wird jeder Schritt, vom Einfädeln der Fäden bis zum Weben selber per Hand durchgeführt. Das deutsche Team von Madalo fährt regelmäßig nach Mexico, um mit den Webern zusammen neue Ideen zu erarbeiten und die Arbeitsschritte, sowie die Qualität der Tücher zu überprüfen.

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Der Tiil Blau ist nun eines dieser aufwendig per Hand produzierten Tragetücher. Was mir nach dem Auspacken sofort auffiel war die tolle blaue Farbe. Sie erinnerte mich an ein türkises Wasserblau, wie das Meer. Der Tiil ist in Fischgrätwebung gewebt, was zu einem spezifischen Muster führt, das ich schon von den Didymos-Liscas kenne und optisch sehr schätze. Gerade in der Sonne, die in der Testwoche gar nicht aufhören wollte zu scheinen, strahlte die Farbe geradezu.
Das massive Schild mit Pflege- und Tragehinweisen würde ich bei meinem eigenen Tuch sofort abschneiden, da es die Optik doch etwas stört.

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Der erste Tragetest fiel auch sehr positiv aus. Mit 300g/m² gehört das Tuch definitiv zu den Schwergewichten. Trotzdem war es schon wunderbar weich gekuschelt. Der Double Hammock saß sofort, nichts verrutschte und auf der Schulter war praktisch kein Gewicht zu spüren.
Auch weitere Versuche zeigten, ähnliche Ergebnisse, durch den Grip bleibt das Tuch auf der Stelle liegen, nichts verrutschte und die Schultern wurden optimal entlastet. Damit ist dieses Tuch vor allem für Trageeltern mit schwereren, älteren Kindern geeignet.
Jedoch zeigten sich beim Binden von Finishes, meiner Meinung nach, kleiner Schwachstellen, ein punktgenaues Nachziehen ist mit extrem viel Kraft verbunden und durch die massiven Stränge wirken diese auch teilweise sehr wuchtig. So bevorzuge ich einen einfachen Knoten oder ein Ringfinish gegenüber einen Doppelknoten, wie ich ihn bei den meisten anderen Tüchern binde. Dafür werden Bindefehler sofort verziehen, was natürlich auch zu ungenauem Binden führen kann. Ich würde dieses Tuch deshalb Anfängern nicht empfehlen.
Auch würde ich das Tuch nicht bei Temperaturen über 30 Grad nutzen, da es dann sehr stark wärmt. Ich kann es mir deshalb sehr gut als Herbst- Wintertuch vorstellen.

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Obwohl jedes Tuch per Hand gewebt wird, lässt es sich nicht mit anderen Handwoven, wie z.B. das Calypso, dessen Review hier auch auf der Seite ist, vergleichen. Die Tücher werden in deutlich größerer Stückzahl produziert und es arbeiten auch wesentlich mehr Personen in dem Betrieb. Zudem kommt es öfter zu Webungenauigkeiten, die auch auf dem Tester zu finden waren. Kleiner Knubbel waren sichtbar sowie ein nicht durchgängig genaues Webbild. Die Oberfläche wirkte dadurch sehr rau. Von den Fans der Tücher werden diese als Unikate oder individuelle Merkmale gerne hingenommen, mich störten die Unregelmäßigkeiten jedoch. Allerdings entschädigt der Preis der Tücher für diese Ungenauigkeiten, denn bei kaum einer anderen Firma, findet man handgewebte Tücher für zwischen 90-140€. Lediglich Girasol bietet noch diese Preise an, wobei die Tücher sich in der Hinsicht kaum vergleichen lassen, da die Girasols viel dünner gewebt und daher bis auf einige Ausnahmen eher Neugeborenentücher sind.

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Größter Kritikpunkt für mich sind die Kanten auf beiden Seiten. Die kurze Seite hat keine Schrägen, wie die meisten anderen Tragetücher sondern ist einfach nur glatt abgeschnitten. Das hat zur Folge, dass eben der Knoten sehr massiv wird und man fast nur mit L-Ringen arbeiten kann. Außerdem wird deshalb auch empfohlen, das Tuch immer eine Nummer größer zu nehmen als man normalerweise trägt. Aber es gibt auch noch die Möglichkeit, sich das Tuch schrägen zu lassen, was ich bei einem eigenen Indajani auf jeden Fall machen lassen würde. Ich konnte auch schon ein anderes Indajani mit extra abgeschrägten Kanten testen und das überzeugte mich viel mehr.
Die lange Seite dagegen ist nicht umgenäht. Dies muss kein Problem sein, wie ich bei anderen handgewebten Tücher schon festgestellt habe, hier jedoch empfinde ich es als poblematisch, da mein Sohn rote Druckstellen bekam und das Tuch schon vom Gefühl her sehr scharfkantig war. Interessieren würde mich, wie das nun bei dem Contigo mit dem neuen noch weicheren Garn umgesetzt wurde. Vielleicht ergibt sich auch hier irgendwann eine Testmöglichkeit.

Alles in allem hat mich das Tuch jedoch positiv überzeugt, einen günstigeren Preis für ein handgewebtes Tuch kann man kaum erwarten, zudem weist es die meisten positiven Merkmale dieser auf und besticht dadurch, dass es das Gewicht des Traglings geradezu minimiert.

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Hersteller: Indajani

Name: Tiil Blau

Preis: ~90€ Vetrieb über Madalo

Kauf über Dawanda oder Madalo-Shop

Bewertung: 4,5/5 Sternen

Ein tolles Toddler-Tuch für Fans handgewebter Tücher, das vor allem durch eine super Preis-Leistung überzeugt. Ein Rückenschmeichler mit kleineren Unregelmäßigkeiten.

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3 Antworten zu Review: Madalo Indajani – Tiil Blau

  1. Lena schreibt:

    Vielen Dank für dein tolles Review! Sehr sehr hilfreich. Ich hätte zwei Fragen dazu:
    1) Rote Druckstellen bei deinem Sohn – denkst du, dass es besser wird wenn das Tuch nach längerer Nutzung weicher wird?
    Und macht das längeres Tragen für das Kind unmöglich?

    2) Was sind andere HW Marken in diesem Preissegment?
    Danke!
    Lena

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    • getragenvonliebe schreibt:

      Liebe Lena, schön, dass wir dir weiterhelfen konnten. Der Review ist schon etwas her, jetzt binde ich noch viel besser und könnte das sicherlich mit ordentlichem Durchstraffen, der anderen Bahnen oder einer Mullwindel, die ich an die Stellen reinlegen würde, verhindern. Und natürlich wird das Tuch mit der Zeit immer weicher, die Kanten bleiben jedoch hart. Jedoch ist das nichts, das das Tragen unmöglich macht.
      Demnächst möchte ich mal wieder ein aktuelles Indajani testen, bzw. bekomme auch einen Onbu dieser Firma, mal sehen, ob sich die Qualität verändert hat.

      Du könntest in diesem Preissegment noch bei Madalo nachschauen, die sind etwas teurer aber noch unter den Preisen der meisten anderen Handwoven. Ich habe einen Sling von der Firma und der ist noch weicher und flauschiger. Sonst ist Indajani mit Abstand die günstigste Firma, die trotzdem noch gute Qualität bietet.

      Viele Grüße

      Juli

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      • Lena schreibt:

        Liebe Juli,
        vielen Dank für die Infos und den Vergleich mit Madalo. Ich habe mir jetzt einen Sling von Indajani bestellt und bin schon sehr gespannt 🙂
        LG
        Lena

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