Review Easy-Rider

Lange habe ich mich vor diesem Review gescheut, denn ich muss ehrlich zugeben, dass mich diese Trage persönlich im Praxistest einfach nicht überzeugen konnte. Ich habe lange hin und her probiert, viel getestet, allerdings meistens nur ganz kurze Strecken und mich dann ziemlich schnell wieder für eine meiner anderen Tragehilfen entschieden. Trotzdem hat der Easy-Rider in der Trageberatung seine Daseinsberechtigung, dazu dann gleich mehr.

Die Easy-Rider GmbH in Hamfelde ist Hersteller und Lieferant von Babyartikeln, der sich zum Ziel gesetzt hat innovative Produkter für Kinder von 6-36 Monaten zu entwickeln und zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis zu verkaufen. Mit diesem Hintergrund hat die Firma eine Trage entwickelt, die schnell und unkomplizierter als viele anderen sein soll – den Easy-Rider.

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Zunächst zum Aufbau. Der Easy-Rider sieht aus wie eine kleine Hüfttasche, in der sich ein kleiner „Sitzhöcker“ befindet. Das ist das erste, was mich gestört hat, die Trage lässt sich einfach nicht klein in die Tasche falten, sondern man hat immer das große wuchtige Sitzpolster dabei. Dementsprechend liegt der Anwendungsbereich wohl eher in den Räumlichkeiten zu Hause und nicht unterwegs. Praktisch ist jedoch, dass in der Tasche auch noch so allerhand verstaut werden kann. Wer sowieso immer eine Gürteltasche dabei hat, fühlt sich sicherlich wohler mit den Ausmaßen als ich. Ein weiterer Pluspunkt: Er ist aus 100 % Baumwolle, verursacht keine Allergien und ist bei 30° waschbar. Ist das Kind aus dem Tragealter heraus gewachsen, lässt er sich ohne den Sitz auch einfach als Hüfttasche verwenden, was ich auch sehr durchdacht finde.

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Ein Pluspunkt ist auch, dass die Trage ein hohes Spektrum an Größen abdeckt, es gibt sogar noch eine Extraerweiterung, so dass die Trage so ziemlich jedem Elternteil mit egal welchem Umfang, passen dürfte.

Das Anlegen des Easy-Riders ist super einfach. Man legt ihn um wie einen Gürtel um, zieht fest und fertig. So dachte ich zumindest und so wird es auch in der Anleitung beschrieben. Auch Anfänger haben demnach sofort ein Erfolgserlebnis. Allerdings rutscht er so nach kurzer Zeit weg. Hinweise der Firma besagen, dass man ausamten soll und dann festzurren kann. (Das hab ich auf den Bildern noch nicht gemacht.) Ich hab ihn leider in allen Tests nie so fest bekommen, dass ich wirklich das Gefühl hatte, er sitzt gut. Immer gab es eine leichte mit störende Neigung bzw. habe ich mich ziemlich eingeengt und unwohl gefühlt.

Empfohlen wird er von der Firma ab 6 Monate, wobei ich dem nicht zustimmen kann. Das Kind sitzt wirklich auf der sehr stabilen Trage, das heißt, sie macht frühstens ab dem Sitzalter wirklich Sinn und das kann bei Kindern auch später als 6 Monate sein. Die Firma selber bezeichnet die Trage auch als zweite Stufe des Tragens. Der Gurt komme nach der Nutzung des Tragetuchs oder einer Babytrage zum Einsatz. Mit einem Höchstgewicht bis 25 kg ist die Trage demnach auch für große Toddler noch zugelassen und da sehe ich den Anwendungsbereicht. Große Kinder, die sonst im Kinderwagen bzw. Buggy geschoben werden, können schnell mal auf die Hüfte gesetzt werde (und trotz der Ausmaßen ist der Easy-Rider sicherlich auch schnell im Kinderwagen verstaut). Auch für Omas und Opas, die dem Tragen sehr kritisch gegenüber stehen, ist das sicherlich auch eine Alternative, denn der Easy-Rider sieht so gar nicht nach konventioneller Tragehilfe aus. Zudem kann er so auch in Kindergärten und bei Tageseltern als unterschwelliges Tragehilfenangebot zur Entlastung des Personals eingeführt werden.

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Ich selbst nutze sonst meistens Fullbuckle-Tragen oder Tücher bzw. Sling auch für mein großes Toddlerkind. Mich überzeugt daran immer, dass ich die Händer frei habe, das ist beim Easy-Rider nicht der Fall. Zwar wird die Wirbelsäule entlastet, allerdings muss man mit einer Hand immer das Kind halten. Mein Kind, ein Dauertragling (also jetzt mit 2 nicht mehr so dauerhaft aber er wurde von Anfang an nur getragen) fand die Trage auch nicht so toll, er wollte mir immer wieder runter hüpfen, er ist allerdings auch ein Kind, dass es gerne eng und kuschlig bei Mama hat, das konnte ihm die Trage nicht geben. Sicherlich kann das Tragen jedoch besser funktionieren bei Kindern, die Probleme mit Nähe haben oder eben in öffentlichen Einrichtungen getragen werden.

Nach meinen eigenen Tests, konnte ich mich noch mit anderen Trageberaterinnen austauschen und es ergab sich als Hauptanwendungsbereich in der Trageberatung eine Erleichterung für Zwillingsmamis, die ein großes dem Tragen entwachsenes drittes Kind haben, was nur mal ganz kurz hoch und wieder runter möchte oder das 2. Krabbel(-kind) kurzzeitig Tandem tragen wollen. Hier ist der Easy-Rider wohl eine der besten Alternativen, da er auch recht günstig im Anschaffungspreis ist. Auch dem Tragen entwachsene Kinder, die z.B. einen Fuß gebrochen haben o.ä. und plötzlich wieder getragen werden sollen, fühlen sich auf dem Easy-Rider sehr wohl und die Eltern werden entlastet, ihr Kind nicht auf dem Arm tragen zu müssen. Zudem ist die Trage für Kinder mit vielen Blockaden bzw. sogar Behinderungen einen Versuch wert – also Kinder mit speziellen Bedürfnissen können mit dieser besonderen Trage möglicherweise gut zurecht kommen.

Der Kontakt und Service der Firma Easy Kinderideen war sehr angenehm, die Mitarbeiter sind sehr bemüht Fragen zu beantworten und Tipps und Hinweise zu geben. Ein Blick auf die anderen Produkte der Firma lohnt sich, auch wenn ich die Trage jetzt persönlich nicht so gerne habe, trotzdem.

Alles in allem ist das Produkt meiner Meinung nach einfach für Eltern und Betreuer entwickelt, die sonst nicht tragen würden und dadurch Entlastung erfahren oder für Kinder in besonderen Situationen und dafür nützt er auch sehr gut. Ich selber würde aber immer wieder zu anderen Tragehilfen und Tüchern bzw. Sling greifen, die noch ein Stück mehr entlasten.

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2 Antworten zu Review Easy-Rider

  1. Mary schreibt:

    Halli Hallo 😊
    Wir nutzen den Easy Rider privat und in unserer Tageseinrichtung bereits seit einigen Monaten und können die hier gemachten Erfahrungen nicht teilen.

    Das Anlegen und festziehen empfinde ich als super einfach! Ich trage ihn über der Hüfte. Da rutscht nix! Auf deinem Bild rutscht das Kind ja fast herunter…das passiert hier nicht. Das Kind sitzt gerade wie auf einem „Stuhl“ und nicht wie auf einer Rutschbahn 😊

    Auch was das Thema „Nähe“ angeht, kann ich nur anderes berichten. Meine Tochter und auch die Kinder in unserer Einrichtung sind uns „ganz nah“. 100% Körperkontakt. Meine Tochter legt oft den Kopf auf meine Schulter und schmust mit mir. Ganz bequem und unproblematisch…unterwegs oder Zuhause.
    Der Vorteil beim Easy Rider ist das die Kinder sich „Nähe“ oder „Abstand“ nehmen können wie sie es gerade benötigen. Wir tragen so auch über einen längeren Zeitraum und nicht nur für kurze Strecken.

    Ich stützte meine Tochter mit dem Unterarm und habe so auch mal beide Hände frei wenn wir z. B einkaufen sind.

    Was den Platz angeht den der Easy Rider benötigt kann ich ebenso nur sagen, das er bei uns weniger Platz weg nimmt als ein Tragetuch.

    Für uns ist der Easy Rider optimal. Meine Tochter möchte immer nah bei Mama sein, fühlt sich in üblichen Tüchern oder Tragehilfen schnell eingeengt. So muss jeder für sich und sein Kind die passende Tragehilfe finden 😊 Das Angebot ist ja reichlich.

    Liebe grüße Mary

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    • Getragen von Liebe schreibt:

      Ich finde es wunderbar, wenn Trage und Träger sich finden! Ich habe ja auch versucht, die positiven Seiten zu beleuchten. Die Trage ist wie jede andere nicht für jeden Träger gemacht. Dann wünsche ich euch noch weiterhin ganz viele tolle Kuschelmomente! ❤

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