Lisas Bericht über die Flüchtlingsaktion

Bereits zum zweiten Mal habe ich „Getragen von Liebe“ bei der Verteilung von Spenden geholfen. Dieses Mal war es jedoch vollkommen anders. Einerseits wurden dieses mal ausschließlich Tücher und Slings gespendet. Andererseits waren die Empfänger jene Menschen, über deren Ankunft in unserem Land in den letzten Wochen so heftig debattiert wurde. Dieses Mal besuchten wir Flüchtlinge.

Wir wussten nicht, was uns erwartete. Man hört ja gar vieles. Am Ende erwarteten uns Menschen. Zugegeben, der Empfang durch Sicherheitspersonal, welches uns nicht so recht einordnen konnte, war etwas kühl. Doch dieses Problem wurde schnell beseitigt und wir wurden von den Helfern zu denen gebracht, die unsere Hilfe wirklich gut gebrauchen konnten: Müttern mit ihren Kindern.
In der ehemaligen Schule kamen uns zunächst viele Menschen entgegen. Junge und ältere Männer, Frauen, Heranwachsende, Kinder … An Türen hingen Zettel mit arabischen Schriftzeichen und auch mehrsprachige. Hinter einer dieser Türen war der „Kindergarten“. Ein schmaler, länglicher Raum. Hier konnten wir kurz ankommen, während die Muttis informiert wurden. Dann ging es weiter, eine Etage höher, in einen weiteren kleinen Raum (ca. 5x6m) mit ca. 10 Muttis und ca. 5 Kindern. Dazu eine Helferin, wir beide und mein Kind.
Sie kannten uns nicht. Trotzdem empfangen sie uns mit aller Herzlichkeit.

Zunächst zeigte Dominique das Anlegen eines Ring-Slings, gefolgt von einer Mutti, die das Gezeigte probieren wollte. Schon bald herrschte in dem kleinen Zimmer ein reges Treiben. Die ebenfalls trageerfahrene Helferin, Dominique und Ich halfen den Muttis beim Anlegen der Tücher und Ring-Slings. Durch eine Mischung aus Deutsch, Englisch, Hand- und Fußsprache und mithilfe einer Dolmetscherin konnten wir weitere Tipps geben und von den Vorteilen des Tragens schwärmen. Ein Deutsch-Arabisch-Englischer Smalltalk folgte, von Sorgen wurde berichtet. Sorgen, die nichts mit dem Tragen zu tun hatten. Währenddessen spielten unsere Kinder miteinander.

Glückliche und dankbare Muttis verließen mit ihren Kindern den Raum. Ich rede hier von der Art Dankbarkeit, die das Herz noch Stunden danach berührt, weil sie so unendlich ehrlich ist. Das Erlebte hat uns, neben den Umständen unter denen die Leute dort zusammen leben, gezeigt, dass es bei all den Debatten, Berichten und Titelblättern immer noch um Menschen geht. Menschen, die unter Umständen zusammen leben – die unsereins als Zumutung empfinden würde – um in Sicherheit zu sein. Um Mütter und Väter, die ihre Kinder genauso lieben wie wir die unseren und die unsere Sorgen teilen. Jedes Mal, wenn wir die Worte „Flüchtlinge“ oder „Asylbewerber“ in den Mund nehmen, reden wir von realen Personen, wie wir selbst welche sind. Wir sollten unsere Worte deshalb dieser Tatsache anpassen.

Im Namen von „Getragen von Liebe“ bedanke Ich mich herzlichst bei all denjenigen, die ihre Tücher für diesen guten Zweck gespendet haben. Ihr könnt sehr stolz auf euch sein.

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